Intermarium: der Traum der Atlantiker um D und R auseinander zu halten

Umsetzung von Macinders Idee, die vorherrschenden Mächte auf dem Kontinent, Deutschland und Russland, niemals zusammen kommen zu lassen, ansonsten ist die geopolitische Macht dahin. War Doktrin der Briten damals und ist es heute von USA. vgl. Stratfor.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/zwischenmeerallianz-gegen-russland/story/15850835

Zwischenmeer-Allianz gegen Russland

Eine alte Idee ist wieder aktuell. Staaten zwischen Ostsee und Schwarzem Meer sollen ein Sicherheitsbündnis bilden.

Die Idee einer neuen Sicherheitsallianz an den Grenzen Russlands erscheint noch als Utopie: Mögliches Intermarium-Gebiet. (Foto: southfront.org)

Die Idee einer neuen Sicherheitsallianz an den Grenzen Russlands erscheint noch als Utopie: Mögliches Intermarium-Gebiet. (Foto: southfront.org)

Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Annexion der Krim haben Europas Sicherheitsarchitektur erschüttert. In Polen, in den baltischen Staaten und anderen Ländern Osteuropas geht die Angst um, denn Russland wird als Bedrohung wahrgenommen. Zur Verteidigung ihrer Verbündeten hat die Nato im vergangenen Jahr begonnen, ihre Präsenz in Osteuropa auszubauen. Trotzdem ist in Osteuropas Hauptstädten eine Debatte über den Aufbau einer eigenen Sicherheitsallianz im Gang. Dabei geht es um die Idee des Intermariums, zu Deutsch «zwischen den Meeren».

Intermarium steht für ein Sicherheitsbündnis der Staaten zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer. Eine solche Allianz würde sowohl Mitgliedsstaaten von Nato und EU als auch Nicht-Mitgliedsstaaten umfassen. Das Intermarium soll Russland die gemeinsame Verteidigungsbereitschaft mehrerer Länder signalisieren. Diese Länder wären durch ein Beistandsabkommen verpflichtet, einander zu helfen.

Ein Intermarium könnte nicht zuletzt dem Sicherheitsbedürfnis der Ukraine, aber auch anderer postsowjetischer Staaten wie Georgien und Moldawien dienen. Diese Länder befinden sich in einer sicherheitspolitischen Grauzone. Das Ansinnen der Ukraine und Georgiens, der Nato beizutreten, wird in absehbarer Zeit nicht Realität werden.

Geopolitik aus der Zwischenkriegszeit

Die Idee des Intermariums ist nicht neu. Der Begriff «Zwischenmeer» geht auf den polnischen Marschall Jozef Pilsudski (1867–1935) zurück. Als Präsident Polens hatte er sich in der Zwischenkriegszeit für die Bildung eines Staatenbündnisses starkgemacht, um die imperialen Tendenzen von Deutschland und der Sowjetunion einzudämmen. Polen gehört auch heute zu den Befürwortern des Intermariums. «Ein Staat ist dann stark, wenn er von Verbündeten umgeben ist», sagte Polens Präsident Andrzej Duda schon kurz nach seinem Amtsantritt im August 2015. «Die Staaten Mittelosteuropas denken über die Schaffung eines Partnerschaftsblocks nach.» Auch Polens national-konservative Regierung betont regelmässig die Notwendigkeit einer solchen Sicherheitsallianz.

In Thinktanks und Universitäten gibt es ebenfalls Verfechter eines Intermariums. Zu ihnen gehört Andreas Umland, Osteuropa-Experte am Institut für Euro-Atlantische Kooperation in Kiew. In einem kürzlich erschienenen Aufsatz beschreibt Umland, wie der «mittelosteuropäische Pakt gegen den russischen Neoimperialismus» funktionieren könnte. «Die gegenseitigen Beistandsverpflichtungen könnten hinter jenen des Artikels 5 des Nato-Gründungsvertrages zurückbleiben, müssten jedoch weit robuster sein als jene der OSZE.» Umland zufolge würde das Intermarium das sicherheitspolitische Engagement der Nato ergänzen.

Vom Baltikum bis zum Kaukasus

Die Intermarium-Staaten würden in verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, etwa bei der Belieferung mit Verteidigungswaffen, beim Militärtraining und der Waffenmodernisierung, beim Austausch von Militär- und Geheimdienstinformationen oder auch bei der logistischen Unterstützung zur Abwehr hybrider Kriegsmassnahmen.

Das Intermarium würde laut Umland den Grossteil der ehemaligen europäischen Satellitenstaaten und Teilrepubliken der UdSSR vereinen und eine Art Halbkreis vom Baltikum bis zum Kaukasus bilden. Eine solche Koalition der Willigen könnte – je nach den konkreten Interessenlagen und Sicherheitsbedürfnissen – Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien, Moldau, die Ukraine und Georgien einschliessen. «Der Intermarium-Block wäre auch eine Option für Tschechien, die Slowakei, Ungarn und womöglich sogar Weissrussland, Aserbeidschan oder Armenien, falls sich die innenpolitischen Verhältnisse in diesen Ländern entsprechend ändern», schreibt Umland. Und weiter: «Ein solcher Pakt wäre keine existenzielle Bedrohung für Russland, da er keine Atomwaffen besitzende Staaten einschlösse.»

Umland plädiert für eine baldige Beseitigung des sicherheitspolitischen Vakuums in Zwischeneuropa. Denn er geht davon aus, dass «Hybridangriffe gegen die Ukraine und andere Länder eine stetige Versuchung für Moskau darstellen, solange die schwachen zwischeneuropäischen Staaten von internationalen Sicherheitsstrukturen ausgeschlossen bleiben und den Eindruck leichter Beute vermitteln».

Aber wie realistisch ist denn eine Intermarium-Lösung? «Im Moment ist das noch eine Fantasie oder eine Utopie», sagte Umland in einem MDR-Interview. Aber wenn Russlands Aussenpolitik über die Jahre gleich bleibe und wenn Nato und EU den osteuropäischen Staaten keine genügenden Sicherheitszusagen geben würden, «werden die Chancen für ein Intermarium grösser». (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.09.2016, 17:27 Uhr)

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